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Renault-Traffic-Design Awards 2006 - Stadt- und Landschaftsressource Hüttentalstraße

  • 2. Platz Renault-Traffic-Design Award 2006

  • Förderpreis der Gesellschaft der Förderer der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen der Universität Siegen für eine herausragende Diplomarbeit im SS2006

  • Anerkennung des BDA Siegen-Olpe-Wittgenstein SS2006


Stadt- und Landschaftsressource Hüttentalstraße - Aufgabenstellung

Eine urbane Strategie zur Integration städtebaulicher Restflächen der HTS





Einführung:

Die Stadt Siegen könnte man als eine der reichsten Städte Deutschlands bezeichnen, denn welche Stadt hat schon:

- eine monumentale Skulptur, die allgegenwärtig in der Stadt erscheint und als „Betondrachen“ bezeichnet wird? - ein System aus innerstädtischen Grünzonen, ja vielmehr ruhigsten, geschützten Biotopalandschaften? - quadratkilometer große, innerstädtische Parkplätze, die vollflächig überdacht sind und sich in das Stadtgefüge als P+R-Plätze integrieren? - die städtische Flußlandschaft so weit in den Mittelpunkt gerückt, dass großzügig Fluß und Fußgängerwege überdacht werden und so bei jedem Wetter erfahrbar sind ...und - ... schließlich den längsten, überdachten Fahrradweg der Welt?


So schön das alles sich jetzt auch anhören mag, sieht es leider in Wirklichkeit nicht aus. Es handelt sich bei den voran genannten Aussagen nicht um bewusst geschaffene Funktionionen, vielmehr sind sie unbewusst entstanden. Es sind planerische Resträume (rooms left over planning), die dem primären Gedanken unterliegen, Flächen für die Verkehrsentlastung und Erschließung der Region zu schaffen, nämlich die Hüttentalstraße (HTS), eine bis zu 5-spurige Hochstraße als Stadtautobahn, die den Regionalverbund zahlreicher Einzelstädte und Stadtteile in Nord-Südachse für den Schwerlastverkehr erschließt.


Plan 1: Einführung


Die Flächen unter der HTS stellen einen Bruch, eine Brache, im Stadtgefüge dar. Sie werden bisher nur als Parkplätze, spärlich begleitend aber auch als Fußgänger- und Radfahrwege, sowie für den sommerlichen Flohmarkt im Stadtteil Geisweid genutzt. Im Gegensatz zu typischen Hochstraßenstrukturen in Großstädten, in denen meisten eine Verkehrsverdichtung über der eigentlichen Haupterschließung stattfindet, werden in Siegen Stadtrestflächen dafür verwendet, die Struktur der Stadtautobahn zu ermöglichen. In den meisten Streckenabschnitten den Fluss überbauend, an den Hang angelehnt, Stadt überquerend, zerschneidend und begleitend, tritt die Struktur ständig in Erscheinung. Die meisten Flächen sind mit Bruchsteinen versiegelt, ungangbar gemacht, und deshalb bisher nur bedingt zu benutzen. Die Struktur ist in Siegen allgegenwärtig, darüber hinaus das größte Bauwerk der Region, wirkt sich im eigentlichen Sinne ‚stadtbildprägend’ für Siegen aus. Siegen ist HTS!

 

Analyse:
Um eine mögliche Nutzung dieser Flächen zu ermöglichen und ein nachhaltiges Benutzen dieser Räume zu gewährleisten, war Anfangs ausschlaggebend, inwiefern die Struktur der Hochstraße die Region beeinflusst. Was musste dem Bau der HTS weichen, wie hat die HTS die Region verändert und wie wird sich tendenziell die Struktur der Stadt zukünftig durch die HTS verändern?


Verschiedene Analysen zeigen zusammengefasst folgende Ergebnisse:

 

  • Sie Umschreibt als größtes Bauwerk der Region ein Volumen, in dem 20.000 Personen Wohnraum mit jeweils 45qm haben würden - vergleichbar mit der Bevölkerungsanzahl des Siegener Stadtkerns
  • Beseitigung stadtbildprägender historischer Villen, Siedlungen und Industrielandchaften (darunter auch heruntergekommene, leerstehende Wohnhäuser)
  • Stadtentwicklung wird massiv verlagert (bewußt oder unbewußt?)
  • Stadterleben und -leben entsteht neu (man betritt Siegen über die HTS, sucht das Geschäft seiner Wahl aus, parkt vielleicht sogar in diesem, und verlässt die Stadt auf dem direkten Weg)

Plan 2: Analyse



Konzept + Strategie:

Darüber hinaus wurden auch positive Aspekte herausgestellt:

Eine vielseitigkeit überdeckter Flächen und Räume entsteht unterhalb der HTSSchutz vor Niederschlag, somit dauerhaft begehbare Bereiche - Ruhigste Bereiche in zentrumsnaher Lage an der innerstädtischen Qualitätsressource Fluss (Ferndorf, Sieg)... es besteht allerdings die eigentliche Chance in der Beziehung nach Außen, sei es horizontal in Blickbeziehungen (Stadtbeobachten) oder Anknüpfungspotentialen in die Stadt hinein zu bestimmten Funktionen und Institutionen, aber auch vertikal durch die Aufenthaltsqualität in den ruhigen, sehr gut belichteten, grünen Augen der Abfahrten. Funktionale Einheiten entstehen unter der Struktur, Flächen mit Aufenthaltsqualität daneben. Die überdimensionierte Struktur der Hochstraße wird dazu benutzt, in konsequenter Fortführung Verbindungen entstehen zu lassen. Die Struktur selbst schafft die Verbindung durch ihre Leitfigur und Aufständerung, welche den Raum, den sie benötigt, für die Stadt zur Verfügung stellt. Stadt fließt unter ihr hindurch. Die statisch auch überdimensionierte Struktur lässt zu, auf einfache Weise Dinge anzufügen und bestehende, unbewusste Räume zu benutzen.

Plan 3: Strategie


Entwurf:
Fünf Gebäude, Funktionen, entstehen entlang der Strecke, fünf Inititatoren, welche den Weg zwischen ihnen als städtischen Weg erfahrbar machen, Attraktoren für den Weg bereitstellen und auf dem Weg begleiten. Drei Initiatoren als Hauptgebäude an den Kreuzungspunkten und jeweils einer an markanten Punkten im Norden und im Süden.

Der nördliche Kreuzungspunkt schafft eine funktionale Verbindung als Synergiefläche. Der Bedarf einer attraktiven Außenfläche des Krankenhauses lässt in Verbindung mit dem städtischen Gymnasium, dem Einkaufszentrum und dem ausgelagerten Fachbereich Kunst der Universität in einem alten Brauhaus einen Ausstellungs- und Eventbereich entstehen.
Der mittlere Punkt wird zur visuellen Verbindung. Als kreuzung in drei Fahrbahnebenen, bis zu 25 meter über Bodenniveau und Aufeinandertreffen von drei Tälern. Als höchster Punkt der Hochstraßenführung entsteht hier ein Aussichtspunkt für Wanderer an der Schnittstelle mehrerer Wanderwege. Die Hochstraße wird hier überwunden, Stadt und Straße können verstanden werden.
Der südliche Kreuzungspunkt wird aufgrund der stadtkernnahen Lage zur emotionalen und kulturellen Verbindung. Hier entsteht ein offenes Straßentheater, ein Theater über dem Fluss, welcher die Hochstraße an diesem Punkt durchkreuzt. Der ganz im süden liegende Initiator wird zum kleinmaßstäblichen und soziologischen Verbindungspunkt. Ein Wohngebiet in zwei Hälften teilend, stößt hier die Hochstrasse auf Bodenniveau und lässt einen Jugendtreff entstehen. Der nördliche Initiator wird zur formalen Verbindung. Eine großzügige Fußgängerbrücke verbindet hier zwei Stadthälften, das alte Stadtzentrum mit dem inmitten eines Industriegebeites liegenden Bahnhof, der von der Stadt nur schwer zu erreichen ist. Ein Stadtteil, dessen Stadtzentrum am stadtrand liegt, durch eine vierspurige Hauptstraße von der anderen Stadthälfte getrennt ist, auf der sich u.a. rückläufige Schwerindustrie (thyssen-krupp-werke) mit zahlreichen leerstehenden Hallen befinden, kann so mit Hilfe der Hochstraße längerfristig zurückgewonnen werden.


Plan 4: Entwurf

 

Die Initiatoren ermöglichen so neue Strukturen im Zwischenraum und auf der Strecke. Es können Sportflächen und -plätze entstehen, dauerhafte Marktflächen, Ruhezonen in der Stadt, Event- und Veranstaltungsbereiche, Discotheken, Ausstellungen und Installationen, Schwimmbäder an und in der Sieg… aber auch dem Auto zugehörige Funktionen, wie verdichtete, etagenweise Parkflächen, Tankstellen, Werkstätten, Busterminals und Zuganbindungen, besonders im nördlkichen Abschnitt von Geisweid können hier Platz finden. Die überdeckten Flächen können so für die Stadt zurückgewonnen werden, und der eigentliche Charakter eine Straße, Stadt zu verbinden, kann so neu wiederentdeckt werden.

 




Modellfotos / Darstellungen